FRAGEN SIE NACH DEM COLUMBIAHAUS!
Auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof lag eines der ersten deutschen KZs. "Ask to see Columbiahaus" ("Fragen Sie nach dem Columbiahaus") wurden englische Touristen aufgefordert, die 1936 zu den olympischen Spielen Berlin besuchen wollten. Damals war das KZ Columbiahaus in der ganzen Welt als eines der frühen faschistischen Konzentrationslager bekannt. Schätzungsweise acht- bis zehntausend Antifaschisten wurden hier gefangen gehalten, entwürdigt, gefoltert und einige auch ermordet. Zu den Gefangenen gehörten auch Leo Baeck, Robert M. Kempner, Hans Litten, John Schehr. Es handelt sich bei diesem Ort, den die Häftlinge als "Hölle Columbiahaus" traumatisch in Erinnerung behielten, um die Berliner Zentrale des frühen Terrors der Nationalsozialisten. Spätere KZ-Kommandanten erhielten hier ihre Ausbildung. Wer weiß heute noch, wo sich das Columbiahaus befand? Unverschämter weise bezeichnet das Zollfahndungsamt seinen heutigen Sitz, einen Nazibau am Platz der Luftbrücke, neuerdings als Columbiahaus. Das Konzentrationslager war einen Kilometer weiter am Columbiadamm. Als die Gefängnisse überquollen, beauftragte die Gestapo im Juni 1933 die SS, das leerstehende Gefängnis der ehemaligen Kaserne an der Friesenstraße wieder zu eröffnen. 1935 wurde es in ein offizielles Konzentrationslager umgewandelt. Für den Bau des Flughafens Tempelhof wurde es abgerissen. Lange Jahre geriet dieser Ort in Vergessenheit. Erst 1994 wurde von Volksbildungsstadtrat Wowereit auf der dem Flughafen gegenüberliegenden Seite des Columbiadamms wenigstens ein leider unscheinbares Mahnmal für das damals "wiederentdeckte" Konzentrationslager enthüllt. Mit der Schließung des Flughafens Tempelhof ist auch die Diskussion über die weitere Nutzung des Geländes neu entfacht. Dazu muss der Berliner Flächennutzungsplan geändert werden. Etliche Bürger und auch der Vorstand der Berliner VVN haben im Rahmen der öffentlichen Auslegung im Sommer 2009 dazu Stellung genommen: "Im städtebaulichen Konzept zum Tempelhofer Feld sollte die Erinnerung an das KZ Columbiahaus eine zentrale Gewichtung erfahren. Die Berliner VVN-BdA erwartet, dass diese Vorschläge bei der Überarbeitung des bisherigen Flächennutzungsplanes berücksichtigt werden. Dies sind wir nicht nur den Opfern und ihren Angehörigen schuldig. Darin spiegeln sich auch die Verantwortung und die Verpflichtung der Gesellschaft, an die Orte nationalsozialistischen Terrors im Berliner Stadtgebiet zu erinnern. Das gesamte Tempelhofer Feld war darüber hinaus ein Ort, an dem Tausende ausländische Arbeiter und Arbeiterinnen aus ganz Europa in der Rüstungsindustrie, vor allem im Flugzeugbau Zwangsarbeit leisten mussten. Auch dies sollte bei der späteren städtebaulichen Nutzung angemessen berücksichtigt werden." Bis zur Stunde gibt es keine Antwort auf diese Einwände. Die Bezirksverordneten in Friedrichshain-Kreuzberg haben sich in einer Resolution auch schon für eine Gedenkstätte ausgesprochen, in Schöneberg-Tempelhof hat die Linke dasselbe beantragt, und auch im Abgeordnetenhaus soll ein entsprechender Antrag eingebracht werden. Die VVN wird die Forderung weiter in das öffentliche Bewusstsein hineintragen. Die Auseinandersetzung hat gerade erst angefangen. Inzwischen liegen die Pläne des Senats zu einer internationalen Gartenbauausstellung 2017 auf dem Tisch. Sie soll auch auf dem Gelände stattfinden, wo sich das KZ befand. DKP-Schöneberg-Tempelhof / VVN Berlin Eine umfassende Broschüre über das ehemalige KZ, Quelle:mieterladen.chamissokiez.deMieterladen Chamissokiez in Berlin-Kreuzberg
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